Über Autismus

Autismus-Spektrum-Störung (ASS)/Autism-Spectrum-Disorder (ASD)
Neueren Studien zufolge sind weltweit etwa 0,9 % der Bevölkerung von einer Form der Autismus-Spektrum-Störungen (ASD= Autism Spektrum Disorder, auch ASS= Autismus-Spektrum-Störung) betroffen (vgl.: Bölte (Hrsg.), Verlag Hans Huber, Hogrefe, 2009).
Im ICD-10, der Internationalen Klassifikation der Störungsbilder und Erkrankungen, ist Autismus den „tiefgreifenden Entwicklungsstörungen“ zugeordnet (F 84.0: frühkindlicher Autismus; F 84.1: atypischer Autismus; F 84.5 Asperger-Syndrom/Asperger-Autismus).
Der Begriff ASS/ASD verdeutlicht bereits den fließenden Übergang zwischen den verschieden Ausprägungsarten des Autismus und wurde im Mai 2013 in das im amerikanischen Raum verwendete Klassifikationssystem von Erkrankungen „DSM 5“ aufgenommen. Der Begriff ASS/ASD wird ebenfalls in den ICD-11 übernommen werden, der bald erscheinen soll. Ebenso erfährt die Definition eine Erweiterung um den Begriff der Wahrnehmungsverarbeitungsstörung.
Wenn auch in unterschiedlicher Intensität, so haben doch haben alle Menschen, die von ASS/ASD betroffen sind:
• Schwierigkeiten im Kontakt und im sozialen Umgang
• Schwierigkeiten in der wechselseitigen Verständigung und Kommunikation
• Einschränkungen in der Flexibilität und Handlungsfähigkeit
Autistische Verhaltensweisen tangieren alle Lebensbereiche und dauern ein Leben lang an. Verursacht wird Autismus durch genetisch-biologisch bedingte Besonderheiten in der neuronalen Entwicklung. Autismus ist nicht anerzogen und somit keine Folge von einer fehlerhaften Erziehung. Autismus tritt kulturunabhängig in allen Bevölkerungsschichten auf und ist nicht heilbar. Durch frühzeitig eingesetzte, intensive Therapien und Trainingsmaßnahmen können die Symptome jedoch deutlich reduziert werden.

 

F 84.0 Frühkindlicher Autismus (auch „Kanner-Autismus“)
In der ICD-10 werden vier diagnostische Kriterien für den frühkindlichen Autismus benannt:
• Qualitative Beeinträchtigung wechselseitiger sozialer Aktionen
• Qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation
• Eingeschränkte Interessen und stereotype Verhaltensmuster
• Auftreten vor dem 3. Lebensjahr
Ebenso werden Phobien, Schlaf- und Ess-Störungen, Wutausbrüche, Aggressionen sowie selbstverletzende Verhaltensweisen genannt. Häufig geht der frühkindliche Autismus mit Beeinträchtigungen in der Sprachentwicklung sowie der kognitiven Entwicklung einher.

F 84.1 Atypischer Autismus
Die Diagnose „atypischer Autismus“ wird dann gestellt, wenn die Symptome erst nach dem 3. Lebensjahr auftreten oder auch dann, wenn nicht in allen für die Diagnose des frühkindlichen Autismus relevanten Bereichen (Schwierigkeiten im Kontakt und im sozialen Umgang, Schwierigkeiten in der wechselseitigen Verständigung und Kommunikation, Einschränkungen in der Flexibilität und Handlungsfähigkeit) Abweichungen vorhanden sind. Oft geht atypischer Autismus mit schwerer Intelligenzminderung oder Abweichungen in der rezeptiven Sprachentwicklung einher.

F 84.5 Asperger-Syndrom
Das Asperger-Syndrom unterscheidet sich nach der ICD 10 vom frühkindlichen Autismus in erster Linie dadurch, dass die sprachliche sowie die kognitive Entwicklung nicht beeinträchtigt sind. Doch sind in der wechselseitigen Interaktion sowie in der Kommunikation typisch autistische Auffälligkeiten zu verzeichnen. Auch lassen sich bei Menschen mit Asperger-Autismus sehr häufig Auffälligkeiten im Bereich der psychomotorischen Entwicklung feststellen. Typisch sind auch ungewöhnliche und sehr ausgeprägte, eng umschriebene Interessen und stereotype Verhaltensmuster. Kleinkinder fallen durch fehlende soziale Reaktionen und untypisches Spielverhalten auf. So werden beispielsweise Spielgeräte nicht in ihrem eigentlichen Sinne verwendet und es besteht so gut wie kein Kontakt zu Gleichaltrigen.

Autismus Grafik